Hitlerjugend in Danzig

Leseproben

Kartoffelernte – Fahrt nach Konitz

 

Danzig 1939. Nachdem der Krieg gegen Polen im Sep-tember beendet war, und die Deutschen Truppen von der Danziger Bevölkerung stürmisch begrüßt wurden, nach-dem Hitler seine Rede gehalten hatte, in der er die Garantie abgab, dass Danzig unzertrennlich über tausend Jahre lang zum deut-schen Reich gehören würde, wurde bestimmt, wer denn von den Danzigern dazu gehören sollte. Dass man in Danzig geboren war, reichte nicht aus, um die neue deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Etliche Danziger wurden für staatenlos erklärt, andere als Polen eingestuft und vertrieben, wieder andere in eine der vier Volksgruppenlisten eingetragen. Und die Juden und andere Minderheiten gehörten sowieso nicht dazu. Wem es nicht gelang auszuwandern, der kam ins KZ oder lebte nicht mehr lange. So geschah es, dass eines Tages, während des Schulunterrichtes, die Klassentür geöffnet wurde und vier oder fünf Jugendliche traten ein. Der Konrektor Porschmann sagte sehr sachlich: „Das sind unsere neuen Schüler, benehmt euch ordentlich.“ Damit war der Fall, oberflächlich gesehen, für uns abgebucht. Diese Schüler hatten das polnische Gymnasium am weißen Turm besucht. Weil sie als Deutsche dritten Grades eingestuft worden waren, durften sie in die Volksschule Lastadie zum Unterricht gehen. In die Hitlerjugend einzutreten war gesetzliche Pflicht, denn sie war Staatsjugend geworden. So kamen etliche Schüler von der pol-nischen Minderheit in die HJ hinein. Was ich natürlich nicht wusste war, dass sie trotzdem im Untergrund an ihrer polnischen Sprache und der katholischen Religion festhielten.

Soweit die Vorgeschichte.

Dann kam das Jahr 1943. Die Hiobsnachrichten von der Ostfront ließen nicht auf sich warten. Wer in der Schule beim Dreisatz-rechnen aufgepasst hatte, konnte leicht die Gleichungen machen, dass hundert abgeschossene russische Panzer weniger der großen Sowjetarmee schadeten, aber dreißig deutsche zerstörte Panzer der deutschen Armee mehr zu schaffen machten.

Die Marschrichtung hatte sich umgekehrt, sie verlief nun von Ost nach West, und damals fragte ich mich schon, wann die Russen, (so nannten wir immer noch den Sowjet Koloss) die Westgrenzen erreichen würden.

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Danziger fahren ins KLV-Lager



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